Going with the gut – Intuition in Management-Teams richtig nutzen
Intuition ist eine extrem hilfreiche Kompetenz, wenn es um Managemententscheidungen geht. Das gilt sowohl individuell, als auch für Teams. Gerade bei Team-Entscheidungen im Topmanagement ist Intuition die Kernkompetenz, die langfristig erfolgreiche und robuste Entscheidungen hervorbringt. Das ist vielfach wissenschaftlich und praktisch bewiesen. Es gibt hier aber auch immer wieder neue Erkenntnisse. Dazu gehört, welche Umstände und welche Trigger intuitive Erfolgsentscheidungen in Topmanagement-Teams fördern. Und Erkenntnisse darüber, wie Unternehmen das richtige Umfeld und die richtigen Bedingungen schaffen, damit sich Intuition entfalten und ihre vollen Stärken ausspielen kann. Gerade in Zeiten von Künstlicher Intelligenz und disruptivem Wandel. Denn die Kombination von Intuition und Künstlicher Intelligenz macht Top-Management-Teams und Unternehmen unschlagbar. Wenn sie wissen, wie es geht…
Teamführung als Schlüssel für Intuition
Intuition, hilft, Führungskräften und Top-Management-Teams dabei, schnell Situationen zu bewerten, große Mengen, an Informationen gleichzeitig zu verarbeiten und auch mit gegensätzlichen Informationen und Daten klarzukommen. Intuition ist damit besonders gut geeignet, strategische Entscheidungen zu treffen, die komplex sind und typischerweise über das normale Tages- und Routinengeschäft hinausgehen. Das gilt nicht nur auf der individuellen Ebene für Führungskräfte. Das gilt vor allen Dingen auch in der Zusammenarbeit in Teams. Hier kommt es vor allen Dingen auf die Art der Zusammenarbeit und Führung im Team an. Grundsätzlich gilt Folgendes: Ist die Führung zu dominant durch eine Führungskraft, dann fördert dies Machtkämpfe und politisches Verhalten und drängt intuitives Wissen und intuitive Kreativität in den Hintergrund. Das gilt auch generell immer dann, wenn es um Intuition geht, nicht nur bei Managemententscheidungen. Angst, Einengung und sozialer Druck ersticken unsere Intuition. Sehr klare und durch Machtgefälle geprägte Hierarchien sind Gift für Intuition. Denn je ausgeprägter Hierarchien sind, desto größer ist das Bedürfnis nach Absicherung nach oben und nach unten. Menschen verlegen, dann ihre Entscheidungen und auch ihre Argumentationen auf die rein sachliche, rationale und datenbasierte Ebene, um bloß nichts falsch zu machen und nicht angreifbar zu sein. Im Gegensatz dazu sind in kollaborativen Teams vielfältige Möglichkeiten gegeben und auch gewünscht, Argumente und Sichtweisen zu diskutieren und unterschiedliche Perspektiven zu integrieren. Das alles fördert und fordert unsere Intuition und schafft gleichzeitig Raum für kreative Erfahrungen und wissensbasierte Ideen und Entscheidungen.
Selbstwahrnehmung und Expertise
Zusätzlich gibt es aber noch weitere Voraussetzungen oder „Trigger“ für den erfolgreichen und langfristig nachhaltigen Einsatz von Intuition in Management-Entscheidungen. Ein wichtiger Trigger ist die Selbstwahrnehmung und die Denkweise von Führungskräften. Ein hohes Maß an Selbstsicherheit durch Erfahrung und ein Bewusstsein zur kritischen Selbstreflexion fördern die Kompetenz zur Intuition und gleichzeitig auch das Vertrauen auf die eigene Intuition.
Damit hängt auch ein weiterer Trigger zusammen. Nämlich die Expertise und die Erfahrung in den Bereichen, in denen Entscheidungen getroffen werden müssen. Expertise bedeutet, dass Menschen komplexe mentale Modelle und Tiefen-Wissen aufgebaut haben. Genau diese Expertise ist die Basis für intuitive Erkenntnisse und um Zusammenhänge zu erkennen und Entwicklungen vorauszusehen. Eben das ist es ja, was der Vorteil der Intuition gerade bei komplexen Entscheidungen und bei unvollständigen Informationen ist. Nämlich das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen und die Bedeutung einer Entscheidung in einem sich ändernden Umfeld zu erkennen und Voraussagen zu können. Dabei ist es besonders wichtig und vorteilhaft, dass Führungskräfte in der Vergangenheit öfter mit sehr herausfordernden und schwierigen Situationen konfrontiert gewesen sind und dass sie aus diesen Herausforderungen und den Entscheidungen ein klares Feedback und klare Erkenntnisse und Learnings mitgenommen haben. Das bedeutet also, dass sowohl erfolgreiche als auch unerfolgreiche Entscheidungen immer auf unsere Intuition einzahlen und uns für die kommenden Entscheidungen stärken und sicherer machen.
Kognitive Diversität und fokussierte Entscheidungen
Ein weiterer „Trigger“ oder eine entscheidende Rahmenbedingungen ist die kognitive Diversität der Menschen im Management Team. Die Diversität und die Unterschiedlichkeit von Wissen, Erfahrungen und Perspektiven ist dabei geradezu ein Booster für Intuition und Kreativität. Wenn nämlich unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen zusammenkommen, dann lässt sich eine solche Diskussion und ein solcher Austausch nicht allein auf einer rationalen und qualitativen Ebene führen, sondern hier spielen Empathie, vernetztes Denken, fluides Wissen und Offenheit die Hauptrollen. Und genau das sind auch die Charakteristika, die unsere menschliche Intuition ausmachen.
In diesem Zusammenhang gehört auch ein weiterer Trigger für Intuition in Entscheidungen. Nämlich die psychologische Sicherheit. Das bedeutet, dass Vertrauen und Offenheit zwischen den Mitgliedern des Management Teams gegeben sein muss. Wer Angst davor hat, hintergangen und ausgenutzt zu werden und wer das Gefühl hat, sich ständig und immer für alles rechtfertigen zu müssen, kann nicht auf die leise, aber mächtige Stimme des Tiefen-Wissens und der Intuition hören. Denn diese wird sozusagen von den Selbstschutzmechanismen übertönt und erstickt.
Intuition ist dann besonders gut und treffsicher, wenn es um fokussierte und auch zeitkritische Entscheidungen geht. Das ist ein weiterer „Trigger“ für Intuition in Management Entscheidungen. Das mag zunächst widersprüchlich klingen, denn in den anderen Punkten haben wir gesehen, dass Druck Intuition eher verhindert. Dabei geht es aber immer um den sozialen Druck oder den Druck durch Macht und Hierarchien. Bei Zeitdruck sieht es anders aus! Denn gerade, wenn es schnell gehen muss und wenn es eine fokussierte Entscheidung ist, dann kommen die Stärken unserer Intuition, besonders zu Tage, die das Relevante von Nebensächlichem trennen kann und das große Ganze in den komplexen Details erfassen kann. Genau das wird noch einmal verstärkt, wenn es keine klaren Entscheidungs-Regeln gibt. Und genau das ist nun gerade heute und in Zukunft der Fall, wenn Führungskräfte und Management-Teams wegen der rasanten Entwicklung durch künstliche Intelligenz vor Herausforderungen gestellt werden, die so in keinem Handbuch oder Lehrbuch oder Werkzeugkasten bisher vorgesehen waren.
Bedeutung für die Personalentwicklung: Aufmerksamkeit für Intuition schulen und nutzen
Diese Erkenntnisse haben natürlich auch Auswirkungen auf die Praxis. Und sie bedeuten Veränderungen, sowohl in der Personalentwicklung, als auch in der Personalführung in Management Teams. Für die Personalentwicklung, angefangen von der Ausbildung und dem Studium bis in die fortgeschrittene Führungskräfteentwicklung, bedeutet es, dass Führungskräfte zusätzlich zu den klassischen Management Methoden unbedingt in Aufmerksamkeit und Achtsamkeit für Ihre Intuition und ihr Tiefen-Wissen geschult und begleitet werden müssen. Denn eine Kompetenz kann nur dann wirklich verwendet werden und echte Vorteile für Menschen und Unternehmen bringen, wenn Entscheidungsträger diese Kompetenz überhaupt erkennen und bewusst nutzen können. Das ist eine Frage der Ausbildung und vor allen Dingen der Übung, wie das eben für alle Kompetenzen und Methoden gilt.
In Unternehmen und in Teams sollte es darüber hinaus ein selbstverständlicher Bestandteil der Kultur sein, Intuition als eine wichtige und unersetzliche Kompetenz und Fähigkeit, sowohl zur Analyse als auch zur Entscheidungsfindung zu verankern und wer zu schätzen. Zu dieser Kultur gehört Offenheit und gleichzeitig die Selbstverständlichkeit, intuitive Erkenntnisse von Führungskräften anzuerkennen und genauso zu kritisieren und herauszufordern. Denn das schafft in Summe ein Umfeld und ein Klima, in dem sich Intuition entfalten kann und sich auch gleichzeitig über schnelles Feedback und kreativen Austausch weiter entwickelt.
Hierbei ist Intuition eine mächtige Kompetenz, jedoch nicht die einzige Kompetenz und die einzige Methode. Natürlich muss sie immer mit quantitativen und rationalen Analysen und Argumenten verbunden werden. Genauso gehört zu dieser Verbindung auch künstliche Intelligenz mit all ihren Möglichkeiten und Potenzialen. Aus genau dieser Verbindung ergeben sich dann überproportionale Fortschritte und Ergebnisse . Aber eben auch nur dann, wenn alle Bausteine genutzt werden und auch alle Bausteine gleichberechtigt und gleichgewichtig anerkannt und verwendet werden.

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